Michael Edwards, besser bekannt als Eddie the Eagle, ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Gerne lasse ich die berührende Olympia-Geschichte des legendären Englischen Skispringers in diesem Blogbeitrag zum Thema „Visionen“ aufleben und erläutere die notwendigen Schritte zwischen einer Vision und dem Erfolg.
Wenn sich Menschen auf den Weg zur Erfüllung ihrer Visionen machen, dann sind verschiedene Schritte notwendig – egal, ob sie sich im Hobby- oder Profisport bewegen. Selbst in der Wirtschaft werden die gleichen Prinzipien angewendet.
Die Erfolgsgeschichte von Eddie the Eagle
Michael Edwards träumte seit seiner Kindheit davon, an Olympia teilzunehmen. Dies, obschon er in einer sportfernen Arbeiterfamilie und ohne erwähnenswertes sportliches Talent zur Welt kam. Er probierte sich in diversen Sportarten – ohne Erfolg und vor allem ohne Kadernominierungen. Seine Olympia-Vision war so stark, dass ihn auch nach etlichen gescheiterten Versuchen nichts und niemand davon abhalten konnte. Die Frage, ob er es schaffen könnte, existierte nicht in seinem Kopf. Seine Gedanken beschäftigen sich ausschliesslich mit dem WIE und so entdeckte er auch die wohl einzige Option, seine Vision in die Tat umzusetzen: Er stellte fest, dass die Sportart Skispringen olympisch ist, sie zu dieser Zeit aber von keinem einzigen britischen Sportler ausgeführt wurde. Edwards trainierte hart und nahm 1987 an den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Oberstdorf teil. Sein gültiger Versuch auf 73.5 Metern bedeutete zwar klar den letzten Rang, war aber zugleich britischer Rekord und damit die Zulassung zu den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary. Dort trat er auf der Normal- und auf der Grossschanze an, belegte zwei Mal deutlich den letzten Platz und wurde dennoch als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Athleten der Olympischen Winterspiele gefeiert. Er hatte Erfolg, seinen Erfolg, weil er seine Vision kompromisslos verfolgte, alles dafür investierte und sie mit Stolz und Freude lebte.
Schritt 1: Die Vision
Eine Vision findest du nicht, sie findet dich. Dieser Satz mag unfassbar und abgehoben klingen, doch beinhaltet er das Wesentlichste, um den Begriff „Vision“ zu beschreiben. Der Beginn einer Vision kann man sich nicht kaufen, nicht abschauen und auch nicht konstruieren. Es beginnt mit einer Art „Inspirations-Blitz“, welcher mit Hilfe von einem kreativen Mix aus Vorstellungskraft und Emotionen zu etwas Grossem wird – zu einer Vision. Wenn du dann Leidenschaft und einen ungehaltenen Willen spürst, weisst du: Das ist meine Vision.
Bei Edwards war es ähnlich: „Als ich acht, neun Jahre alt war, habe ich erstmals bewusst die Olympischen Spiele im Fernsehen gesehen und dachte: Wow! Es muss grossartig sein, für sein Land an so etwas teilzunehmen. Das wollte ich auch. Egal wie.“
Schritt 2: Das Ziel
Tatsächlich versanden die meisten Träume, Wünsche, Vorsätze und Visionen aus dem Grund, dass der wichtige Schritt der Zieldefinierung ausgelassen wird. Der Energieschub der Vision lässt es zu, voller Tatendrang loszulegen. Ohne einen spezifischen Plan endet dieser energiegeladene Start aber oft in einer Desorientierung, die Vision wird nicht mehr bedingungslos verfolgt und die anfangs gespürte Motivation endet in einer Enttäuschung.
Damit die Vision zum Erfolg führt, ist es von grosser Wichtigkeit, aus der Vision ein klares Ziel abzuleiten. Im Unterschied zur Vision muss ein Ziel autark, also unabhängig von äusseren Gegebenheiten (wie zum Beispiel Gegner), erreichbar sein. Ist das spezifische, messbare, attraktive, realistische und terminierte Ziel definiert, wird die Timeline dazu ausgearbeitet. Hierfür werden die vorhandenen Ressourcen einbezogen, Zwischenziele definiert und ein detaillierter Trainingsplan erstellt. Erholungsmomente werden genau so strikte eingeplant wie die Entwicklungsphasen.
Edwards Ziel, abgeleitet von seiner Vision (Filmzitat, leicht angepasst): „Ich werde Skispringer und nehme im Februar 1988 in Calgary an den Olympischen Winterspielen teil.“
Die ersten beiden Schritte können wie folgt zusammengefasst werden: Die Vision liefert die Energie, das Ziel den nötigen Plan zur Umsetzung, zur Arbeitsphase.
Schritt 3: Die Arbeit
Die erforderliche Energie ist da, der nötige Plan ebenfalls. Nun ist Arbeit angesagt. Hier bedarf es einer bedingungslosen Umsetzung, wobei die Freude nicht fehlen darf.
Edwards sagt dazu: „Was die Leute immer übersehen, ist, dass ich für das, was ich erreicht habe, wirklich hart gearbeitet habe.“
In dieser Phase geht es nicht darum, möglichst viele Siege zu feiern, sondern darum, jeden Tag das Beste zu geben, um ein Stück besser zu werden, sein Ziel im Fokus zu behalten und diesem Stück für Stück näher zu kommen.
„Ich habe mein Bestes gegeben und wirklich das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht. Und die waren nicht gross.“
Wer sich die Arbeitsphase als lineare Achse zwischen Ziel und Erfolg vorstellt, der irrt sich gewaltig. So werden sich zum Beispiel Zwischenerfolge mit Misserfolgen abwechseln. Der Umgang mit diesen Realitäten ist matchentscheidend. Zu einem gewinnbringenden Mindset in dieser Thematik unterstützt u.a. die Definition von Steffen Kirchner, deutscher Buchautor und Coach in Spitzensport und Wirtschaft: «Erfolg ist eine Folge von Erfahrung. Und Erfahrung ist eine Folge von falschen Entscheidungen. Also ist Erfolg eine Folge von Fehlern. Insofern ist der Misserfolg das Sprungbrett zum Erfolg.»
Die einfachere Version davon liefert Edwards: „All die Schwierigkeiten auf meinem Weg nach Calgary waren ganz einfach Hürden, die ich nehmen musste, um mir meinen Traum zu erfüllen. Wenn ich nicht wusste, wo ich schlafen sollte, und deshalb in einem Auto übernachtete, bedeutete das einfach nur, dass ich weiter springen kann. Am Ende hat sich alles gelohnt.“
Siehe auch Blogbeiträge: „Rückschritte sind Geschenke für die persönliche Entwicklung“ und „Mit Misserfolg auf dem Weg zum Erfolg“
Schritt 4: Die Leistung
Leistung ist nicht gleich Erfolg. Die Leistung kann maximal selbst beeinflusst werden und dies gilt es in diesem Schritt zu erkennen und zu nutzen. Es ist wichtig, sich selbst die besten (mentalen und körperlichen) Voraussetzungen zu schaffen und alle im Vorfeld erkannten möglichen Störfaktoren auszuschalten, damit in der Performancephase eine Spitzenleistung resultiert. Hierbei gilt: Potenzial minus Störfaktoren gleich Leistung (siehe Blogbeitrag: „Das mentale Erfolgsrezept in einem Satz erklärt„)
Die Spitzenleistung ist die wichtigste Basis für den Erfolg.
Schritt 5: Der Erfolg
1988 in Calgary geht die grosse Vision des kleinen Vogels aus dem englischen Cheltenham in Erfüllung: Er ist Teilnehmer Olympischer Spiele – Es erfolgte, was er verursacht hatte. Seine Geschichte zeigt, dass Erfolg nicht immer in Medaillen gemessen wird, sondern in der Fähigkeit, Grenzen zu überwinden, seine Werte zu leben und seine Visionen zu verfolgen.
Im letzten Jahr habe ich mich selbst auf die Reise zur Erfüllung einer grossen sportlichen Vision begeben. In meinem Blog beschreibe ich die einzelnen Schritte, gebe viel Persönliches Preis und führe alle Hochs und Tiefs aus.
Quellenangaben:
– Ich war anders als die anderen
– Interview zum Filmstart
– Kirchner, Steffen, 2015, Totmotiviert? – Das Ende der Motivationslügen und was Menschen wirklich antreibt, GABAL
– Film „Eddie the Eagle – alles ist möglich“ (2016)
– SMART-Methode von George. T. Doran
©sportmentalakademie.com – Auf Kopieren oder anderweitiges Vervielfältigen wird mit rechtlichen Schritten reagiert.
Der Autor
Name: Simone Kunz
Beruf: Sport Mental Coach, Dozentin, Primarlehrerin
Website: simi-mentalcoaching.ch
Motto: «No luck – pure skill»
Simones Menschenbild liegen drei Werte zu Grunde, welche ihr wichtig sind und in ihrer Arbeit als Coach und Ausbildnerin einen wichtigen Anker bilden: Stetige Weiterentwicklung, Individualität und Freude. Was Simone keine Freude bereitet, lässt sie sein und so können sich die Teilnehmer:innen darauf verlassen, dass sie den Unterricht mit viel Freude und mit echtem Interesse am Menschen und seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten gestaltet.
Um sich stetig weiterzuentwickeln, hält sie sich gerne ausserhalb der eigenen Komfortzone auf. Davon können auch ihre Kursteilnehmer:innen profitieren und neue Erkenntnisse gewinnen. Die Floskel «viel Glück» kommt in Simones Wortschatz nicht vor. Sie lebt den Grundsatz, dass der Erfolg nicht vom Glück, sondern von der eigenen Leistung abhängt und so ist der Fokus ihres Unterrichts stark auf konkrete, praxistaugliche Handlungsmöglichkeiten gerichtet.



