Baue dir dein Dreamteam – warum dein Umfeld matchentscheidend ist

Kurt Egli ist ein weit überdurchschnittlicher Fussballspieler. Er schafft den Sprung von einer U-Auswahl in die Nächste mit Leichtigkeit. Nun steht der letzte Schritt bis zu den Profis an. Aufgrund seines Talentes ist klar: Egli muss es schaffen. Trägt ihn auch sein Umfeld zu den Profis? Seine Mutter hält nichts vom Fussballsport und sieht ihren Sohn in der Finanzbranche, wo sie selber tätig ist. Seine Freunde haben sich immer mehr von ihm abgewendet. Wohl aus Eifersucht. Weil er weit besser kicken kann als sie. Sein Vater ist Akademiker. Vom kurzlebigen Profisport hält er nichts. Das frei erfundene Beispiel zeigt die Wichtigkeit deines Umfelds auf. Doch warum ist das so?

Du bist der Durchschnitt deines Umfelds

Hast du dich schon einmal gefragt, wieso du sehr ähnlich tickst wie die Menschen, mit denen du am meisten Zeit verbringst? Du teilst mit ihnen viele Gemeinsamkeiten. Dem amerikanischen Unternehmer, Autor und Motivationstrainer, Jim Rohn, gehört das Zitat, dass wir alle der Durschnitt der fünf Menschen sind, mit denen wir am meisten zusammen sind. Natürlich unterscheiden wir uns dennoch alle voneinander. Doch uns verbinden viele Gemeinsamkeiten. Uns verbinden Glaubenssätze. Überzeugungen. Ideologien. Ein Umfeld verändert sich im Laufe des Lebens. Freunde entfernen sich voneinander. Andere stossen ins Umfeld dazu. Das ist der Wandel der Zeit. Die Veränderung von uns allen.

Kurt Eglis Umfeld ist so mies, dass er kurz- oder mittelfristig sogar seine Eltern von der Liste jener Menschen, mit denen er die meiste Zeit verbringt, entfernen muss. Umso mehr, wenn er seine individuellen Ziele als Leistungssportler erreichen will. Deshalb muss er den Kontakt zu ihnen nicht zwingend abbrechen, eine Reduktion ist aber bestimmt empfehlenswert. Die Wichtigkeit des Umfeldes entscheidet nicht in einem Spiel oder einer Trainingseinheit über Erfolg und Misserfolg. Langfristiger sportlicher und privater Erfolg in einem unstabilen Umfeld sind jedoch enorm herausfordernd. Ein intaktes und motivierendes Umfeld hingegen, kann Flügel verleihen.

Dein Umfeld gibt dir Kraft und Stabilität

Wir nehmen eine ganz andere Situation in unserem Beispiel mit Kurt Egli, der kurz vor dem Sprung in die erste Mannschaft steht und den Traum vom Fussballprofi leben will. Seine Eltern unterstützen ihn gänzlich dabei. Schon früher standen sie meist am Spielfeldrand und fieberten mit. Eine Handvoll Kollegen freut sich über jedes Tor, das er schiesst und wünscht ihm nur das Beste für die Zukunft. Sie haben Verständnis, dass er aufgrund der zahlreichen Trainings- und Spieltage oft auf gemeinsame Ausflüge und Ausgänge verzichten muss. Umso mehr geniessen sie die Zeit zusammen. Kurzum: Sie schätzen ihn als Kollegen bedingungslos. Die Eltern legen Wert auf eine seriöse Ausbildung neben dem Fussballplatz, ermöglichen ihrem Sohn jedoch, dass er seinen Traum vom Profisportler leben darf. Nach Rückschlägen bauen sie ihn auf. Herzen ihn. Geben ihm Raum, sich selbst zu sein. Motivieren ihn, dran zu bleiben. Das gibt unserem potenziellen imaginären Fussballstar viel Sicherheit. Er spürt Stabilität und hat einen freien Kopf, um Höchstleistung zu erbringen.

Eishockey-Nati-Trainer Patrick Fischer spricht in seinem Buch «Game Time» von der unverzichtbaren Wichtigkeit eines intakten und gut funktionierenden Umfelds. Er erwähnt immer wieder seine Eltern. Bedingungslos sind sie hinter seinen Entscheidungen gestanden. Sie haben ihn als Junior praktisch an alle Spiele begleitet. Und als Patrick Fischer als 15-jähriger nahe dran an der ersten Mannschaft seines Stammklubs EV Zug steht, fällt sein Vater die Entscheidung, für zwei Jahre nach Amerika zu gehen. Patricks Mutter zieht mit ihm in die USA, an einen Ort an dem damals noch kein Eishockey gespielt wird. Diese Situation kann ein Knackpunkt in der Karriere von Patrick Fischer sein, die damals noch gar nicht begonnen hat. Was macht er? Er findet in Kanada einen Ort, wo er die High School besuchen darf und sich als Eishockeyspieler weiterentwickeln kann. Die Eltern ermöglichen ihm den Traum und besuchen ihn zwischendurch. Der Rest ist bekannt. Patrick Fischer erhält zwei Jahre später einen Vertrag mit der ersten Mannschaft des EV Zug. Er wird Schweizer Meister in Lugano und Davos und spielt später in der NHL – der besten Liga der Welt. Zurückblickend sagt er, dass «sein Umfeld, die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen habe, um eine solche Karriere erleben zu dürfen.»

Dein Umfeld macht dich bodenständig

Wäre unser erfundener Freund Kurt Egli erfolgreich mit dem Umfeld von Patrick Fischer? Eine Garantie dazu gibt es nicht. Oliver Kahn, langjähriger Torhüter des FC Bayern München und der DFB-Elf sagt in seinem Buch «Ich. Erfolg kommt von Innen», dass ein intaktes Umfeld allein keinen Erfolg schafft. Es trage aber erheblich zum Erfolg bei. Er ist überzeugt: Zu wenig Umfeld, ein falsches Umfeld, ein richtiges Umfeld falsch genutzt – all das wird sich nicht gut auf den Erfolg auswirken. Wir drehen nochmals an unserem Beispiel. Kurt Egli schafft auch den letzten Sprung und steht im Kader der ersten Mannschaft. Er kriegt viel Anerkennung von den Fans. Er erhält zahlreiche Vergünstigungen von Sponsoren. Sein erster Vertrag spült ihm viel Geld ein und er ist dadurch extrem privilegiert. Schnell passiert es, dass sich gerade ein junger Sportler nun seine Freiheiten nimmt und seinen Fokus aufs Wesentliche verliert. Das verurteile ich keineswegs. Würden Sie von sich behaupten, Sie wären in derselben Situation gänzlich von Fehlverhalten gefeit? Ein intaktes Umfeld ist in dieser Situation enorm hilfreich, um diese fehlende Lebenserfahrung und unvorhersehbare Situation zu meistern. Oliver Kahn spricht in diesem Fall von einem «biozentrischen Weltbild». Bio heisst Leben und demnach steht das Leben im Zentrum dieses Bildes. Der Sportler kreist mit seinem Umfeld – seinen Eltern, Freunden, Ratgebern oder Bekannten um das Leben. Das ist für den langjährigen Spitzen-Goalie das ideale Umfeld. Alle bewegen sich in dieselbe Richtung. Und alles dreht sich ums Leben. Anders das egozentrische Weltbild von Oliver Kahn mit dem Sportler in der Mitte und seinem Umfeld, das um ihn kreist und sich dadurch nicht in dieselbe Richtung bewegt wie er. Dieses Umfeld trägt den Sportler nicht und schadet ihm langfristig.

Los – baue dir dein Dreamteam

Ein ideales Umfeld ist breit abgestützt. Es besteht aus mehr als dem Lebenspartner oder dem Ehegatten. Und zwingend ist, dass das Umfeld aus mehr als nur Harmonie besteht. Wir müssen nicht alle Menschen in unserem engsten Umfeld mögen und ertragen. Es braucht auch Menschen, die unbequeme Fragen stellen. Menschen, die uns fordern. Menschen, die uns konfrontieren und Menschen, die uns zwingen, manche Dinge mit anderen Augen zu sehen. Wenn auch diese Menschen im Umfeld integriert sind und wir ihnen vertrauen, dann spielt es keine Rolle, ob das Umfeld aus fünf, zehn oder mehreren Nasen besteht. Intakt muss es sein. Ein Dreamteam eben. Über ein solches hätte sich Kurt Egli gefreut. Denn Sportler können in einer Krise schnell den Boden unter den Füssen verlieren. Sie können Träume wegen der fehlenden Stabilität ihres Umfelds aus den Augen verlieren. In den schwierigen Momenten fängt sie ihr Umfeld auf. Bei den Höhenflügen lässt es sie nicht zu hoch fliegen. Darum geht es. Ist das Grund genug, dass du auch dein Umfeld überdenkst? Du darfst dir dein Dreamteam frei aussuchen. Wann fängst du damit an?

Quellenangaben:
– wissensagentur.net

– Kahn, O.: Ich. Erfolg kommt von innen, 2019
– Fischer, P.: Game Time, 2021

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Der Autor

Name: Simon Kalbermatten

Beruf: Sport Mental Coach, Ausbildner, Mentor, Radioprofi, Journalist, Autor

Website: simonkalbermatten.ch

Motto: Du kannst – Ende der Geschichte

Ausbildner in: Mentales Training im Sport

Erfolg beginnt im Kopf – von diesem Grundsatz ist Simon Kalbermatten überzeugt. Wer sich ein realistisches Ziel setzt und die Bereitschaft hat, seine Ressourcen dahingehend optimal einzusetzen, wird Erfolg haben. Seit mehreren Jahren staunt Simon Kalbermatten darüber, was er durch das Training von mentaler Stärke aus den Fussballteams, die er trainiert, herausholt. Dass er als Walliser an der Sport Mental Akademie in Zürich gelandet ist, entspricht keinem Zufall. Menschen faszinieren ihn seit Jahren und der Sport interessiert ihn, seit er in den Kinderschuhen steckt. Demnach will er Sportler auf dem Weg zum Erfolg begleiten und ihnen Optionen aufzeigen, wie sie das Optimum aus sich herausholen können. Sein Motto lautet: «Du kannst – Ende der Geschichte.» Bist du bereit, deine Geschichte zu schreiben?