«Hätte der Schiedsrichter den Elfmeter gepfiffen, hätten wir das Spiel gewonnen.» Trainer trauern oft vergebenen Chancen nach. Sie hadern. Suchen die Fehler über ein verpasstes Resultat oder Ziel bei Anderen. Ein weiteres Beispiel: «Hätten wir die gesperrten Spieler zur Verfügung gehabt, dann wären wir als Sieger vom Feld gegangen.» Weicht ein Trainer in die Möglichkeitsform aus und wählt Wörter wie «hätte» oder «wäre» dann schiebt er meist eine Ausrede vor für ein Spiel, das sein Team nicht nach seinen Vorstellungen gestalten konnte. Für Einzelsportler gilt dasselbe. «Ohne Gegenwind hätte ich die angestrebte Zeit in meinem Halbmarathon erreicht.» Wer diese Worte wählt, schiebt ebenfalls den Konjunktiv für ein verpasstes Ziel vor. Diese Formulierungen werden weder Trainer noch Sportler helfen, künftig ihre Ziele zu erreichen. Im Gegenteil: Diese Worte sind Balsam für verpasste Ergebnisse und trösten uns darüber hinweg. Es sind Worte von Verlierertypen. Gewinner denken anders. Gewinner sprechen anders. Gewinner sind anders.

Eingeprägtes Verlierer-Gen

Bevor wir uns mit der Frage befassen, was einen Gewinner auszeichnet und warum ein Winner niemals in die Sprache der Verlierer wechselt, ist es spannend herauszufinden, warum Verlierer ganz gezielt Ausreden für verpasste Erfolge wählen. Für mich sind es glasklar Zeichen von Selbstzweifel, Verantwortungslosigkeit und Schönrederei. Malerisch erklärt, liegen ein Trainer und sein Team aus der Ausreden Situation tief im Dreck und wälzen sich darin auch noch. Aufstehen, Abwaschen und Weitergehen ist die andere Option. Eine Herausfordernde. Eine Ungemütliche. Wer will später schon sagen, man habe nicht das gesamte Potenzial herausgeschöpft und deshalb nicht die maximale Leistung abgerufen? Es ist einfacher, jemandem die Schuld für das Verpasste zu geben. Ein Trainer, der den Schiedsrichter verantwortlich macht für eine Niederlage, hat seinen Sündenbock gefunden und nimmt sich geschickt selber aus der Schusslinie. Die Vorgehensweise ist einfach: «Ich kann nichts dafür.» Hätte, Wäre… Sie wissen schon. Ach, wie schön ist es, diesen Typen zuzuhören. Wissend, dass sie selten über einen längeren Zeitraum Erfolg haben werden. Warum wohl? Weil sie in der Sprache der Verlierer reden. Weil sie das Verlierer-Gen mehr und mehr in sich tragen. Weil sie Verlierer sind. Erkennen Sie sich gerade selber in diesem Muster? Dann gibt es Hoffnung. Sie können sich verändern. Jetzt. Sofort. Das ist bloss eine Frage des Mindsets.

Selbstreflexion als Schlüssel zum Erfolg

Was passiert mit uns, wenn wir anders kommunizieren? Wenn wir eine Niederlage eingestehen und nach ehrlichen Gründen dafür suchen? Wir gehen in die Selbstreflexion. In diesem Moment befassen wir uns damit, was wir hätten tun können, um das Resultat positiv zu beeinflussen. Schon wieder das Wort hätten. Diesmal anders eingesetzt. Diesmal in unserem Team. Im Team der Gewinner. Gewinner reflektieren sich nach einem gewonnenen Spiel. Sie analysieren akribisch, was sie noch optimieren wollen. Dadurch gewinnen sie neue Ansätze. Im Endeffekt ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie tatsächlich besser werden. Wer selbstkritisch ist, wird besser. Wer die Ausrede vorschiebt, wird auf die Dauer sein Verlierer-Image festigen. Schuld sind dann immer die Anderen. Genau dieser Aspekt spielt eine grosse und entscheidende Rolle: Wenn der Schiedsrichter in einem Fussballspiel einen Freistoss nicht pfeift oder eine zweifelhafte Fünfminutenstrafe im Eishockey für die Entscheidung sorgt, sind dies Entscheide, die weder ein Sportler noch ein Trainer beeinflussen kann. Wichtig ist, sich sofort wieder auf das zu konzentrieren, was wir selber beeinflussen können. Sonst steuern wir unsere Energie grundsätzlich falsch. Vermutlich fallen ihnen nun Beispiele ein, in denen Athleten definitiv und offensichtlich benachteiligt wurden. Ja, das gibt es. Jedoch nur sehr sehr selten. Und interessant dabei ist, dass selbst hier die Sprache der Gewinner und Verlierer klar erkennbar ist.

Das unfairste Rennen aller Zeiten

Wir gehen zurück ins Jahr 2021 zur Ski-WM nach Cortina. Bei einem Parallel-Rennen fahren zwei Konkurrenten je zweimal den Berg hinunter. Einmal auf einem blauen Kurs, einmal auf einem roten Kurs. Weil die FIS die Spannung möglichst hochhalten will, wird bei Halbzeit ein Maximalrückstand eingesetzt. Dieser beträgt eine halbe Sekunde. Konkret: Wenn Fahrer A bei Halbzeit eineinhalb Sekunden Rückstand aufweist, wird dieser Rückstand auf eine halbe Sekunde angepasst. Das Problem dabei: Ein Kurs ist wesentlich schneller. Sämtliche Fahrer gewinnen darin bis zu einer Sekunde. Demnach qualifiziert sich stets der Fahrer für die nächste Runde, der den zweiten Lauf auf dem schnelleren Kurs fahren darf. Ski-Fahrer, Trainer, Betreuer, Experten oder Journalisten sind sich einig und sprechen vom unfairsten Rennen aller Zeiten. Ski-Ass Wendy Holdener wird vermutlich wegen diesem Modus um eine WM-Medaille gebracht. Wer damals in Cortina jammert, ist kein Verlierer. Wer es nicht tut, zeigt indes Grösse in der Niederlage und bleibt diesbezüglich ein Champion. Und trotzdem dient dieses Beispiel als grosse Ausnahme. Langstreckenläufer laufen nun Gefahr, den Mahnfinger zu heben und zu sagen, auch sie seien machtlos, wenn sie einen Wettkampf im Gegenwind laufen müssen. Wer für die Halbmarathonstrecke von 21 Kilometern eine Zeit von 1:40 Stunden anvisiert und schliesslich mit starkem Gegenwind in den Lauf startet, wird schnell einen inneren Konflikt austragen. Was kann er nun dagegen tun? Packt er die Ausrede mit dem Gegenwind schon für seinen inneren Dialog aus? Ich rate davon ab.

Ausrede abschalten

Selber durfte ich mich mit Störfaktoren während einem Langstreckenlauf in meiner Diplomarbeit zum diplomierten Sport Mental Coach auseinandersetzen und weiss, dass es im Bezug auf den Gegenwind interessante Tools gibt, die ein Athlet anwenden kann, um diesem zu trotzen. Manchmal ist der Schlüssel zum Erfolg sogar die Strecke. Zwei Beispiele dazu: Starten Läufer den GP in Bern (16 Kilometer) oder den Swiss City Marathon in Luzern im Gegenwind, wissen Sie aufgrund der Streckenführung, dass der Wind ihnen später in den Rücken bläst. Demnach können sie ihr Mindset dadurch schon einmal stärken. Was kann aber unser Fussballtrainer tun, der sich regelmässig vom Schiedsrichter benachteiligt fühlt? Welche Mittel hat der Übungsleiter mit den gesperrten Spielern? Die Lösung liegt auf der Hand. Selbstreflexion. Reflexion im Team. Einfluss nehmen auf Dinge, die wir verändern, verbessern und entwickeln können. Selbstkritik zulassen. Sind wir bereit, diesen Weg zu gehen, dann werden uns Niederlagen und Enttäuschungen immer stärken machen und in unserem Lern- und Entwicklungsprozess reifen lassen. Denn eines gilt immer: Die Ausrede gehört zur Sprache von Verlierer-Typen. Gewinner sprechen anders. Gewinner sind anders.

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Der Autor

Name: Simon Kalbermatten

Beruf: Sport Mental Coach, Ausbildner, Mentor, Radioprofi, Journalist, Autor

Website: simonkalbermatten.ch

Motto: Du kannst – Ende der Geschichte

Ausbildner in: Mentales Training im Sport

Simon Kalbermatten

Erfolg beginnt im Kopf – von diesem Grundsatz ist Simon Kalbermatten überzeugt. Wer sich ein realistisches Ziel setzt und die Bereitschaft hat, seine Ressourcen dahingehend optimal einzusetzen, wird Erfolg haben. Seit mehreren Jahren staunt Simon Kalbermatten darüber, was er durch das Training von mentaler Stärke aus den Fussballteams, die er trainiert, herausholt. Dass er als Walliser an der Sport Mental Akademie in Zürich gelandet ist, entspricht keinem Zufall. Menschen faszinieren ihn seit Jahren und der Sport interessiert ihn, seit er in den Kinderschuhen steckt. Demnach will er Sportler auf dem Weg zum Erfolg begleiten und ihnen Optionen aufzeigen, wie sie das Optimum aus sich herausholen können. Sein Motto lautet: «Du kannst – Ende der Geschichte.» Bist du bereit, deine Geschichte zu schreiben?